zurück zur Homepage

Schach für drei Spieler

Das Ziel meiner Überlegungen


Schach ist das Fundamental-Spiel für zwei Personen - wie kann man nur auf die verrückte Idee verfallen, "Schach zu dritt" spielen zu wollen?... So oder ähnlich reagieren viele Schachspieler, wenn sie zum ersten Mal von diesem Problem hören. Doch so abwegig ist der Gedanke gar nicht, wie Sie noch sehen werden, zumal ich nicht der erste Mensch bin, der ein Lösungsangebot zu dieser Frage vorlegt...

Auch wenn es sich bei mir am Anfang lediglich um eine Schnapsidee handelte, so kann ich dennoch im Nachhinein behaupten, daß es das spannendste Projekt ist, an dem ich je gearbeitet habe. Ich arbeite immer noch daran. Also: Wie spielt man Schach zu dritt?

Mein anvisiertes Ziel ist, ein Schachspiel für drei Spieler zu finden, das sich ausschließlich am FIDE-Schach orientiert. Nur dann (wenn überhaupt) hat es Aussicht, von Schachmeistern akzeptiert zu werden! Deshalb stelle ich eine Reihe von Anforderungen an das zu findene Spiel, z.B.:


1. Jeder Spieler besitzt 8 Bauern, 1 König, 1 Dame, 2 Türme, 2 Läufer und 2 Springer.
2. Die vorhandenen Spielsteine sollen ihre spezifische FIDE-Schach-Gangart beibehalten.
3. Der verfügbare Spielraum soll um 32 Felder (ein halbes Schachbrett) vergrößert werden.
4. Die quadratische Form der Spieleinrichtung und der Spielfelder soll unverändert bleiben.
...


Um es mit einem Satz auszudrücken: Die Symmetrie-Eigenschaften und die Spielregeln des FIDE-Schachspiels sollen in meiner Drei-Schach-Variante (möglichst) uneingeschränkt erhalten bleiben! Man könnte auch sagen: Gesucht ist eine 3-Schach-Geometrie, die das 2-Schachspiel als Spezialfall beinhaltet.

Aber wie sollen die obigen, teils scheinbar widersprüchlichen Kriterien miteinander in Einklang gebracht werden? Diese Nuss zu knacken, hat ein paar Jahre gedauert. Belohnt wurde ich für meine Mühen gleich mit zwei zueinander dualen Varianten: dem Stern-III-COLOR und dem Dreieck-III-COLOR. Und nun müssen Sie "leider" mitdenken, denn es ist gar nicht so einfach, den Sachverhalt zu erklären.

Aus unserer Schach-Lernphase kennen wir eine Aufbauregel: Weiße Dame - weißes Feld, schwarze Dame - schwarzes Feld. Die Damen stehen sich also in der Grundstellung auf den Feldern ihrer Farbe gegenüber. In diesem Schachgesetz offenbart sich eine Symmetrie, die Naturwissenschaftler mit dem Begriff CP-Invarianz bezeichnen. C steht für charge (Ladung) und P für parity (Parität), Invarianz heißt Unveränderlichkeit. CP-Invarianz bedeutet für unser Schachspiel schlicht folgendes: Vertausche ich in der Grundstellung alle Farben von Feldern und Spielsteinen (alles Weiße wird schwarz, alles Schwarze weiß) und betrachte das Ergebnis im Spiegel, so sehe ich dort mein ursprüngliches Schachspiel. Auf diese Symmetrie trifft man häufig in der Physik bei der Beschreibung von Teilchen und ihren Antiteilchen (z.B. Elektronen und Positronen). Diese verhalten sich ähnlich zueinander, wie die weiße Schachbretthälfte zur schwarzen. Wenn man so will, ist Schachspielen eine Simulation eines quantenmechanischen Vorgangs um die Vorherrschaft von Materie und Antimaterie...



positives Foto
und Fotonegativ sind CP-invariant zueinander


Überlegen wir zunächst folgendes: Wenn drei Personen (A, B und C - jeder gegen jeden) miteinander simultan Schach spielen wollen, so können sie einfach drei normale Partien gleichzeitig ausfechten: Spieler A spielt mit weiß gegen Spieler B mit schwarz, B mit weiß gegen C mit schwarz und C mit weiß gegen A mit schwarz. Diese Variante hat ein pfiffiger Franzose namens Demonchy bereits 1882 vorgeschlagen. Baut man drei Schachbretter (am besten auf einem runden Tisch) so auf, daß in der Mitte ein gleichseitiges Dreieck frei bleibt und jeder Spieler in einer Nische zwischen zwei Brettern sitzt, rechts eine weiße, links eine schwarze Grundstellung vor sich, kann es sofort losgehen. Die Zugfolge ist per Definition gegen den Uhrzeigersinn, also links herum gerichtet.



Demonchys Drei-Personen-Schachspiel


Zwar verstößt diese Variante nicht gegen die CP-Invarianz, aber eigentlich ist es gar kein 3-Schachspiel. Sie sehen sofort, daß diese 3 Schachpartien nicht miteinander verknüpft sind. Jede steht für sich selbst und hat mit den beiden anderen überhaupt nichts zu tun. Man hätte sie auch einzeln nacheinander spielen können. Bleibt also die Frage: Wie macht man die 3 Partien voneinander abhängig? Oder besser: Wie macht man daraus eine Drei-Schach-Partie?

zurück zur Homepage

Die Spielbretter für III-COLOR-SCHACH weiter zu den Spielbrettern für III-COLOR-SCHACH